Über Psychoanalyse

Die Vergangenheit verstehen um die Zukunft zu gestalten

Die klassische Psychoanalyse ist ein hochfrequentes Therapieverfahren im liegenden Setting. Es finden drei bis fünf Sitzungen pro Woche statt. 

Psychoanalyse ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das  nicht nur kurzfristige Erleichterung von Symptomen verschafft, sondern darauf angelegt ist, langfristige und tiefgehende Veränderungen in der psychischen Struktur und im Erleben einer Person zu ermöglichen. Sie findet 3-5 Mal wöchentlich im Liegen statt und dauert oft mehrere Jahre. Gemeinsam mit der Psychoanalytikerin_ dem Psychoanalytiker wird ein tiefes Verständnis für die unbewussten, innerseelischen Vorgänge einer Person in Verbindung mit ihrer lebensgeschichtlichen Entwicklung erarbeitet. 

Doch wie funktioniert die Psychoanalyse? Was passiert, wenn wir uns mit ihr auf die Suche nach unserer emotionalen Wahrheit machen und woher stammt dieses Konzept? Welche Methode wird angewandt um Verbesserung herbeizuführen? Antworten darauf finden Sie im folgenden Artikel.

Zur Geschichte der Psychoanalyse 

Die Psychoanalyse geht auf den berühmten österreichischen Neurologen Dr. Sigmund Freud (geb. 6. Mai 1856, Freiberg, heutiges Tschechien) zurück, der sie gemeinsam mit dem Wiener Arzt Dr. Josef Breuer um 1900 als „Sprechtherapie“ entwickelte. Damals existierte Psychotherapie im modernen Sinne als wissenschaftliches Verfahren noch in keiner Weise. Personen, die an Panikattacken, Ängsten, Zwangsstörungen, körperlichen Lähmungserscheinungen ohne organische Störungen etc., litten, suchten Ärzte auf, doch die tappten mit ihrem Wissen im Dunkeln. Verärgert über ihr eigenes Unwissen, taten die Ärzte die Symptome ihrer PatientInnen als „hysterisch“ ab. Doch Dr. Sigmund Freud war anders. Er ließ sich von seinem Unwissen nicht verunsichern und nahm die Menschen, die ihn in seiner Praxis aufsuchten, ernst.

Die psychoanalytische Grundhaltung ist die des Verstehen-Wollens im Gegensatz zu einem vorschnellen Zuordnen. Es ist die Suche nach der subjektiven Wahrheit einer Person, unabhängig davon, wie diese beschaffen sein mag. 

Freud vermutete hinter den organisch nicht erklärbaren Symptomen andere verborgene Ursachen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar waren. Zur selben Zeit war in Frankreich einer der bedeutendsten Ärzte seiner Zeit und Gründer der ersten eigenständigen neurologischen Abteilung in Europa, Jean-Martin Charcot (geb. 1825, Paris) dabei, die Methode der Hypnose und Suggestion für die Behandlung hysterischer Symptome zu etablieren. Freud griff Charcots Ansätze auf und wandte sie in Wien auf seine Patientinnen, damals vorrangig Frauen aus dem gehobenen Bürgertum, an und versetzte sie in einen hypnotischen Zustand. In diesem Zustand der tiefen Entspannung sollten die Patientinnen von ihren inneren Vorgängen und Einfällen in Bezug auf ihre Symptome berichten. Die Methode war wirksam, stieß aber bald an ihre Grenzen. Noch dazu verliebten sich Freuds Patientinnen reihum in ihn als den behandelnden Arzt. Was dieses Phänomen zu bedeuten hatte, sollte Dr. Freud später noch erfassen. Was sich Freud in diesen Behandlungen allerdings schon jetzt offenbarte, war die Erkenntnis, dass sich hinter den Symptomen einer  Personen ganz unterschiedliche Leidensgeschichten verbargen, die in der Entwicklungsgeschichte und den Beziehungs-, sowie den Sozialisations-Erfahrungen der PatientInnen wurzelten. Es waren Geschichten von ungestillten Sehnsüchten, die noch aus der Kindheit herrührten, Berichte von aufgestauten Gefühlen, von verdrängten Ängsten und bedrohlich wirkenden Fantasien und Begierden, von unterdrückter Verzweiflung und innerer Zerrissenheit und dem missglückten Versuch, all dies zu verarbeiten und in eine gesellschaftlich adäquate Form zu bringen. Diese Gedanken und Gefühle waren dem Bewusstsein der Patientinnen im Wachzustand allerdings nicht zugänglich und konnten vorerst nur in Verbindung mit der Hypnose erinnert und ausgesprochen werden. Das lag an den sogenannten inneren Widerständen, die eine Person zu überwinden hat, damit bestimmte unangenehme unbewusste Inhalte ins Bewusstsein dringen können. Auf der Basis dieser Entdeckungen machte Dr. Sigmund Freud die Erforschung des menschlichen Geistes in all seinen unbewussten Dimensionen zu seinem Lebensaufgabe und entwickelte die Psychoanalyse als Theorie, Wissenschaft sowie als Behandlungsmethode für Neurosen. Somit war die erste moderne Form der Psychotherapie in ihren Grundzügen geboren. Seither wird die Psychoanalyse von PsychoanalytikerInnen und WissenschaftlerInnen weltweit angewandt und weiterentwickelt. 

Aber nicht nur die psychischen Beschwerden Einzelner können mithilfe von Psychoanalyse untersucht und behandelt werden. Sie bietet auch eine Perspektive, um kulturelle und soziale Phänomene wie Literatur, Kunst, Filme, Politik und Gruppendynamiken zu begreifen.

Ein Symptom kann immer nur im Zusammenhang mit der individuellen Lebensgeschichte einer Person verstanden und behandelt werden. Im Vordergrund stehen dabei die erlebten Beziehungserfahrungen. Auch die Rückbindung an kulturelle Prozesse spielt eine große Rolle. 

WORUM GEHT ES IN DER PSYCHOANALYSE?

Auf der Suche nach der emotionalen Wahrheit

Im Mittelpunkt der psychoanalytischen Behandlung steht die Beschäftigung mit unbewussten seelischen Vorgängen. Diese liegen der Entwicklung der Persönlichkeit, der Entstehung von Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und psychosomatischen Erkrankungen zugrunde. Unbewusste Vorgänge sind Prozesse, die sich uns nicht durch bloße gedankliche Anstrengung erschließen, sondern dem Bewusstsein erst nach Überwindung gewisser Widerstände zugänglich sind.

Das gegenwärtige Erleben und die Handlungen einer Person werden in der psychoanalytischen Behandlung vor dem Hintergrund ihres bisher erfahrenen Lebenszusammenhanges zu verstehen versucht. Vor allem die lebensgeschichtlich frühen Beziehungserfahrungen sind es, die in einem Menschen wie Schablonen tief verinnerlicht werden und den Umgang mit sich selbst und seinen Emotionen prägen. Ein Symptom wie z.B. Panikattacken, Ess-Störungen etc. nimmt in dieser Lebensgeschichte eine spezielle Funktion ein und kommuniziert etwas. Es ist eine Art Kompromisslösung zwischen einem unbewussten Wunsch und dessen psychischer Abwehr. Zum Beispiel kann eine plötzlich auftretende Panikattacke auf einen unbewussten inneren Konflikt zwischen einem starken Gefühl der Aggression und einer zugleich auftretenden Angst vor Bestrafung ausdrücken. Die Aggression kann aufgrund verschiedener innerer Hemmungsfaktoren nicht direkt zum Ausdruck kommen und sucht ihren Umweg in einer Panikattacke, wobei der emotionale Kern verschleiert wird. Meist verweisen die Symptome auf eine lebensgeschichtlich frühere Zeit in der Kindheit, in deren eine Entwicklungsaufgabe nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte und brechen zu einem späteren, thematisch verwandten Zeitpunkt aus. Aber auch Kränkungen oder Traumarisierungen spielen bei der Entstehung von psychischen Problemen eine zentrale Rolle. 

WIE FUNKTIONIERT NUN DER PSYCHOANALYTISCHE PROZESS?

„Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten“ (Freud, 1914)

Ein maßgeblicher Gedanke in der Psychoanalyse sowie der Neurowissenschaft ist das Angewiesen-Sein eines Kindes auf sein erwachsenes Gegenüber, vor allem wenn es darum geht, intensive Gefühle zu verarbeiten und Erlebnisse zu strukturieren. Nicht immer kann diese Aufgabe vom Umfeld aus verschiedenen Gründen gut genug gemeistert werden, sodass es in der kindlichen Entwicklung zu ungelösten inneren Konflikten und Defiziten in der psychischen Struktur kommt. Diese inneren Konflikte sowie Traumata führen später zur Ausbildung neurotischer Symptome bzw. zur Herausbildung bestimmter Charaktermerkmale. 

Die Regression – Reise zum inneren Kind 

In der Psychoanalyse stellt sich durch die hohe wöchentliche Stundenfrequenz eine starke emotionale Bindung zwischen PatientIn (AnalysandIn) und AnalytikerIn her. Das Liegen auf der Couch verstärkt das Gefühl des Gehalten-Werdens und der Zugang zur inneren Welt eröffnet sich leichter. Das kontrollierende Denken des Wachzustandes verliert allmählich seine Konturen. Im Erleben tauchen alte Gefühle und Fantasien aus früheren Zeiten auf. Kurz gesagt, die PatientIn_der Patient fällt auf eine frühere Stufe psychischer Entwicklung zurück (Regression). Nach und nach stellt sich nun ein sogenanntes „Übertragungsgeschehen“ ein. Das bedeutet, dass alte unbewusste Wünsche, Fantasien und Gefühle, die eigentlich anderen Personen aus der Kindheit galten und damals zu Konflikten, Kränkungen o.ä. geführt haben, auf die Analytikerin_den Analytiker übertragen werden. DieseR wird nun in den Fantasien oder Träumen der PatientInnen plötzlich eine größere Rolle spielen und zur „Übertragungsfigur“ all dieser alten Gefühle werden. Die Aufgabe der Analytikerin_des Analytikers ist es nun, dieses Geschehen zu benennen um die dazugehören Konflikte für die PatientInnen greifbar zu machen (Deutung). Gemeinsam werden dabei alle auftauchenden Gefühle der PatientInnen durchgearbeitet. Ausschlaggebend für Verbesserung und Heilung ist schließlich die Bindung zum Analytiker_zur Analytikerin, die als korrigierende Erfahrung einer wertschätzenden Beziehung verinnerlicht werden kann und schließlich in die Autonomie führt. 

WENN MAN EINE PSYCHOANALYSE MACHT bedeutet das, dass man mehrmals Mal pro Woche zu einer Psychoanalytikerin oder einem Psychoanalytiker geht, sich dort auf die Couch legt und redet. Die Analytikerin oder der Analytiker sitzt dahinter auf einem Stuhl und hört den Erzählungen aufmerksam zu. Das Liegen auf der Couch trägt dabei zur Entspannung bei. Da man während der Behandlung die Analytikerin_den Analytiker nicht sieht, lenkt nichts von der eigenen inneren Welt und man kann sich ihr ganz hingeben. Die Erzählungen sollen möglichst frei und spontan das ausdrücken, was einen gerade bewegt. Egal ob es sich dabei um Gefühle, Fantasien, Tag- oder Nachtträume oder Erlebnisse aus dem Alltagsleben handelt. Man lässt sich einfach von einem Gedanken oder Gefühl zum nächsten leiten und teilt sich dabei der Analytikerin oder dem Analytiker mit. Auch Einfälle, die einem in ihrer Äußerung unangenehm, unsinnig oder unwichtig erscheinen, sollen ausgedrückt werden. Dies ist die sogenannte „freie Assoziation“, die „Grundregel“ der psychoanalytischen Therapie.

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Ablauf & Erstgespräch Melden Sie sich telefonisch oder per E-Mail zu einem kostenlosen Erstgespräch an. Bei Bedarf kann ein zweites oder drittes

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Petra Roscheck © Mato Johannik

Mag.a Petra Roscheck, BA

Psychotherapeutin & Psychoanalytikerin
in Ausbildung unter Supervision

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